13/07/2026 0 Kommentare
Pfarrerin Luisa Karge verlässt Langen und Egelsbach
Pfarrerin Luisa Karge verlässt Langen und Egelsbach
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Pfarrerin Luisa Karge verlässt Langen und Egelsbach
Der Ruf der Heimat war laut, das Angebot verlockend: Pfarrerin Luisa Karge verlässt den Nachbarschaftsraum Egelsbach-Langen und übernimmt zum 1. September eine Pfarrstelle in Frankfurt. Am Sonntag, 16. August, wird Dekan Steffen Held die Theologin in einem Gottesdienst um 18 Uhr in der Langener Stadtkirche am Wilhelm-Leuschner-Platz offiziell verabschieden. Anschließend besteht die Möglichkeit, der beliebten Seelsorgerin persönlich danke und Lebewohl zu sagen.
„Mit stets ganzem Herzen und voller Leidenschaft war Pfarrerin Luisa Karge in unserem Dekanat in Langen und Egelsbach als Seelsorgerin aktiv. Ihre offene, freundliche und empathische Art hat sie die Herzen vieler Menschen sehr schnell gewinnen lassen“, lobt Steffen Held. „Sie war unglaublich präsent, trotz täglicher Anreise, und hat mit ihrem moderaten, bedachten Temperament auch dem hauptamtlichen Team sehr gutgetan. Wir werden sie sehr vermissen, denn sie hinterlässt eine große Lücke, und wünschen ihr alles Gute und Gottes Segen für ihren Dienst, nun an ihrem Wohnort in Frankfurt“, so der Dekan im Dreieich-Rodgauer Kirchenkreis.
Studium in Mainz, Oxford und Berlin
Jahrgang 1985, ist die scheidende Geistliche geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main. Ab 2005 studierte sie Evangelische Theologie in Mainz, Oxford und Berlin. 2010 machte sie ihren Masterabschluss in Moderner Theologie in Oxford, 2013 folgte das Erste Kirchliche Examen bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Ihr Vikariat absolvierte sie von 2013 bis 2015 in der evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen bei Martin Franke-Coulbeaut, dem heutigen Dekan im westlichen Nachbarkirchenkreis Groß-Gerau – Rüsselsheim. Nach ihrem Zweiten Theologischen Examen und einem Spezialvikariat bei Brot für die Welt in Berlin und Kenia 2015 forschte sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hans-von-Soden-Institut der Universität Marburg über Eberhard Bethge. 2017 erfolgte ihre Ordination und sie erfüllte bis 2021 neben ihrer akademischen Arbeit einen Predigtauftrag an der Frankfurter Petersgemeinde.
Seelsorgerin mit zwei halben Stellen
Im Januar 2023 trat Karge mit halber Stelle ihren Pfarrdienst in Langen an, wo sie ihren Arbeitsschwerpunkt an der Stadtkirche hatte. Nachdem sie schnell Fuß gefasst hatte, stockte sie nach einem Jahr auf eine volle Stelle auf. Seit Januar 2025 teilt sie ihre Zeit zwischen der Langener und der Egelsbacher Gemeinde. An ihrer Tätigkeit im „Dom der Dreieich“ schätzte sie nicht nur Kirchenkonzerte, musikalische Gottesdienste und den großen Gottesdienst am Reformationstag. Als weiteres Herzstück ihrer Arbeit nennt sie die Seelsorge. „Ich höre gerne zu“, erzählt sie, „und es erfüllt mich, Menschen bei Taufen, Trauungen und Bestattungen zu begleiten“. Mit der Wallschule feierte sie regelmäßig ökumenische Schulgottesdienste, mit der Geschwister-Scholl-Schule multireligiöse Schulfeiern.
Reizvolle Stadtkirchenarbeit
Die Stadtkirchenarbeit hat in ihren Augen einen besonderen Reiz: „Im Zusammenspiel von Kultur, Stadtgesellschaft, Vereinen und christlichem Glauben lassen sich neue Impulse setzen und andere Formate realisieren“, meint sie. Das kommt ihr entgegen: „Ich habe mich immer zugehörig gefühlt zu einem Christentum, das einerseits den eigenen Glauben stärkt und andererseits offen ist für die Begegnung mit Menschen, die nicht zur Kirche im engeren Sinne gehören“, führt sie aus und betont, „Kirche soll kein Elfenbeinturm sein, sondern ‚in der Mitte‘!“
Und so nennt sie als Höhepunkte Tauffeste am Langener Waldsee und am Vierröhrenbrunnen, ökumenische Gottesdienste und Eröffnungsfeiern auf dem Ebbelwoifest und dem Weihnachtsmarkt, den jährlichen Faschingsgottesdienst mit der Langener Karnevalsgesellschaft, die Segensaktion des Dekanats im Riesenrad und nicht zuletzt die Kerb im Parrehof in Egelsbach.
Besuchsdienst, Krippenspiel und Weltgebetstag
An der Wallschule unterrichtete sie drei Schuljahre lang Evangelische Religion. Sie war aktiv in der Ausbildung von Lektorinnen und Lektoren, da ihr die Beteiligung von Laien am gottesdienstlichen Leben wichtig ist. Daneben leitete sie einen Besuchsdienstkreis und war bei unterschiedlichen Anlässen zu Gast bei den Menschen. Sie engagierte sich rund um den Weltgebetstag und leitete das Krippenspiel-Team der Stadtkirche. Darüber hinaus brachte sie sich in beiden Gemeinden beim Fundraising für die Orgel ein und freut sich, dass die Langener Aktion „Orgel in Acryl“ kürzlich den Fundraising-Preis der EKHN einheimste. Auch die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit ist ihr ein Anliegen. So steuerte sie als Teil des Redaktionskreises zahlreiche Artikel für die ökumenische Kirchenseite in der Offenbach-Post bei.
Vorreiterrolle im Nachbarschaftsraum
„Obwohl sie zwischen Frankfurt und Langen, später auch nach Egelsbach, pendelte, hat sich Luisa Karge hier sehr schnell bekannt gemacht“, stellt Rolf Müller anerkennend fest. „Mit ihrem teamorientierten Arbeiten hat sie die Gemeindeglieder und auch Menschen aus dem kirchennahen Umfeld integriert“, so der stellvertretene Langener Kirchenvorstandsvorsitzende. „Als erste Pfarrerin, die für beide Gemeinden im Nachbarschaftsraum zuständig ist, ist sie eine Vorreiterin für alle weiteren Pfarrpersonen, die diesen Schritt nun gehen.“
Fingerspitzengefühl in schwierigen Situationen
Uneingeschränkt positiv äußert sich auch Rebekka Adler: „Ich habe Luisa als eine Kollegin erlebt, auf die ich mich jederzeit verlassen konnte. Sie war eine große Bereicherung für unser Team“, betont die Egelsbacher Pfarrerin. „Mit ihrer freundlichen, ruhigen und besonnenen Art hat sie Menschen zusammengebracht und auch schwierige Situationen mit viel Fingerspitzengefühl begleitet. Die Zusammenarbeit war immer geprägt von Vertrauen und Wertschätzung.“
Als Teamplayerin nah bei den Menschen
Sie selbst sieht sich als Teamplayerin, genoss die große Offenheit und Willkommenskultur in der Region und wusste die enge und gute Zusammenarbeit sowohl im Ehren- als auch im Hauptamt sehr zu schätzen. Im Entwicklungsprozess der Gesamtkirchengemeinde Langen-Egelsbach, die zur Jahreswende an den Start gehen wird, war ihr besonders wichtig, bei schwierigen Entscheidungen ausgleichend zu wirken, was wohl häufig gelang. Aus ihrem Erfahrungsschatz will sie wichtige Impulse für ihre künftige Gemeindearbeit mitnehmen.
Künftig kürzere Wege
„Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt, und dieser Schritt fällt mir nicht leicht“, gibt die 41-Jährige unumwunden zu. Doch als sich nach dem Ende ihres Probedienstes die Möglichkeit bot, zum 1. September in die Bethlehemgemeinde in Frankfurt-Ginnheim zu wechseln, tagte der Familienrat. Nach reiflicher Überlegung entschied sich die Pfarrerin für eine berufliche Rückkehr in ihre Heimatstadt, wo Eltern und Schwester leben und sich bald Pfarramt und Familienleben stärker verflechten lassen. So liegt ihr künftiger Wirkungsort in unmittelbarer Nähe zur Heinrich-Kleyer-Schule, an der ihr Mann als Pfarrer im Schuldienst im Einsatz ist. Sie freut sich darauf, demnächst mit ihrer Familie, zu der neben achtjährigen Zwillingen auch zwei Töchter im Teenageralter gehören, mitten in ihrer Kirchengemeinde zu wohnen, direkt ansprechbar zu sein, kurze Wege zu haben und nicht mehr pendeln zu müssen. Eine Chance, die sie einfach nicht ausschlagen konnte.
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