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Kirche bietet Orientierung zu Wehrdienst und Gewissensfragen

Kirche bietet Orientierung zu Wehrdienst und Gewissensfragen

Kirche bietet Orientierung zu Wehrdienst und Gewissensfragen

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Kirche bietet Orientierung zu Wehrdienst und Gewissensfragen

In den kommenden Wochen flattert bei vielen Familien Post ins Haus – von der Bundeswehr. Alle 18-Jährigen werden angeschrieben und aufgefordert, einen Online-Fragebogen auszufüllen – zu körperlicher Verfassung, persönlicher Situation und zur eigenen Haltung gegenüber einem möglichen Wehrdienst. Für viele ist das der erste direkte Berührungspunkt mit Fragen von Wehrdienst, Verantwortung und eigener Entscheidung. Parallel dazu meldet sich auch die evangelische Kirche: Rund 20.000 junge Kirchenmitglieder in Hessen erhalten in den kommenden Wochen eine Postkarte mit Hinweisen auf Beratungsangebote – und der Einladung, sich bewusst mit der eigenen Entscheidung auseinanderzusetzen.

Hinter der Aktion stehen die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck. Entwickelt wurde sie vom Zentrum Ökumene, einer gemeinsamen Einrichtung beider Landeskirchen. Ziel ist es, jungen Menschen Orientierung zu geben – nicht mit vorgefertigten Antworten, sondern mit Informationen, Gesprächsmöglichkeiten und Raum für eigene Gewissensentscheidungen. „Es geht darum, sich eine eigene, gut informierte Haltung zu erarbeiten – und dabei nicht allein zu bleiben“, heißt es aus dem Umfeld der Kampagne. Zentrale Anlaufstelle ist die Website www.deine-meinung.info.

Wehrdienst ist auch Thema in der Kirchenregion 

Wie groß der Gesprächsbedarf ist, zeigte sich auch bei der jüngsten Dekanatskonferenz in der Region in Langen – einem regelmäßigen Treffen, bei dem Mitarbeitende im evangelischen Verkündigungsdienst und aus den Arbeitsbereichen des Dekanats zusammenkommen, um aktuelle Themen zu diskutieren, sich fachlich auszutauschen und die Arbeit in der Region weiterzuentwickeln. Ein eigener Programmpunkt widmete sich dabei dem Thema „Neue Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung“. Referent war Daniel Untch, Politologe und Referent für Friedensbildung am Zentrum Ökumene.

"Die Anfragen nehmen zu - von jungen Leuten und besorgten Eltern"

Untch machte deutlich: Die Wehrpflicht ist rechtlich nie abgeschafft worden, sondern seit 2011 lediglich ausgesetzt. Auch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung gilt unverändert. Lange Zeit sei das Thema kaum präsent gewesen – „ein Nischenthema, auch in der Kirche“. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine habe sich das spürbar verändert. „Die Anfragen nehmen zu – von jungen Menschen, aber auch von Eltern, die sich Sorgen machen.“

Mit dem neuen Wehrdienst reagiere die Bundesregierung, so der Experte, auf die veränderte sicherheitspolitische Lage. Künftig erhalten alle 18-Jährigen Post mit einem Link zu einem Online-Fragebogen. Für Männer ist die Teilnahme verpflichtend, für Frauen freiwillig. Je nach Rückmeldung können Musterungen und ein mehrmonatiger Wehrdienst folgen. Anreize wie Vorteile bei Ausbildung und Studium oder der Führerschein im Rahmen der militärischen Ausbildung wurden bei der Konferenz kritisch eingeordnet: Untch bewertete insbesondere diese Aspekte als „hochproblematisch“, wenn sie Einfluss auf eine so grundlegende Entscheidung nehmen.

Beratung von Kriegsdienstverweigerern "nach wie vor kirchlicher Auftrag"

Die evangelische Kirche sieht ihre Aufgabe vor allem in der Begleitung junger Menschen bei der Entscheidung, ob der Wehrdienst für sie infrage kommt. Beratung von Kriegsdienstverweigern sieht die Kirche ausdrücklich und nach wie vor als kirchlichen Auftrag. Gleichzeitig versteht sich die evangelische Friedensethik nicht als strikt pazifistisch, sondern als ein Ringen um verantwortliche Entscheidungen in komplexen Konfliktlagen.

Genau hier setzt die aktuelle Kampagne an: Sie möchte junge Menschen ermutigen, sich eine eigene Meinung zu bilden – informiert, reflektiert und begleitet. Neben Online-Informationen gibt es persönliche Beratungsangebote, auch vor Ort in Gemeinden und Einrichtungen. „Die Beratung ist bewusst ergebnisoffen angelegt“, wurde bei der Konferenz betont. Fachkräfte der Friedensarbeit sowie Mitarbeitende der kirchlichen Jugendarbeit stehen für Gespräche zur Verfügung.

Gleichzeitig werden auch Haupt- und Ehrenamtliche vor Ort angesprochen: Sie können sich gezielt für die Beratung zu Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung qualifizieren. Entsprechende Informationen bietet das Zentrum Ökumene an, Ansprechpartner ist Daniel Untch, untch@zentrum-oekumene.de. 

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