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"Einfach heiraten" berührt Paare in der gesamten Region

"Einfach heiraten" berührt Paare in der gesamten Region

"Einfach heiraten" berührt Paare in der gesamten Region

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"Einfach heiraten" berührt Paare in der gesamten Region

Über 50 Paare feiern bei „Einfach heiraten“ ihre Liebe – persönlich, unkompliziert und voller Herzlichkeit. Bei Temperaturen von fast 40 Grad wurden die Kirchen in Dietzenbach, Dudenhofen und Seligenstadt an einem Sommerwochenende zu Orten der Begegnung, der Freude und des Segens. Zwischen Trauungen, Segensfeiern und spontanen Begegnungen zeigte sich, wie berührend Kirche sein kann, wenn sie ihre Türen weit öffnet.

Als am Nachmittag eine Kirchenvorsteherin kurzerhand noch eine Kiste Eis organisierte, war das weit mehr als eine willkommene Abkühlung: Es passte zu einem Wochenende, an dem viele kleine Gesten dafür sorgten, dass sich Paare vom ersten Moment an willkommen fühlten. Draußen flirrte die Hitze eines außergewöhnlich heißen Sommertages. Drinnen standen Menschen, die sich gerade das Ja-Wort gegeben oder Gottes Segen für ihre Liebe empfangen hatten. Im Gemeindesaal warteten bereits festlich gedeckte Tische, ein Glas Sekt und Menschen, die sich ehrlich mit den frisch Gesegneten freuten.

So fühlte sich „Einfach heiraten“ an.

Mit über 50 Segnungen und kirchlichen Trauungen beteiligten sich auch evangelische Gemeinden im Dekanat Dreieich-Rodgau an der erstmals bundesweit veranstalteten Aktion „Einfach heiraten“. Am Freitag öffneten neben bundesweit knapp 370 Orten auch die Kirchen in Dietzenbach und Dudenhofen ihre Türen, am Samstag folgte die Kirche in Seligenstadt. Auch in Langen war alles vorbereitet. Aufgrund der außergewöhnlichen Hitze und einer kurzfristigen Erkrankung mussten die Verantwortlichen das dortige Angebot jedoch schweren Herzens absagen.

Junge Paare standen neben Menschen, die bereits viele gemeinsame Ehejahre miteinander teilen. Manche kamen mit Eltern, Kindern oder der ganzen Familie, andere wollten den Moment ganz bewusst nur zu zweit erleben. Einige feierten ihre kirchliche Trauung, andere ließen ihre Partnerschaft oder ein Ehejubiläum segnen. Viele hatten sich lange vorbereitet, andere waren spontan gekommen – weil sie von der Aktion gehört hatten oder den besonderen Hochzeitstag 26.6.26 nicht verstreichen lassen wollten. Und doch schien am Ende jede Feier genau zu den Menschen zu passen, die gerade vor dem Altar standen.

„Einfach“ heißt nicht „schlicht“

Dabei bedeutete „einfach“ keineswegs schlicht. Wochenlang hatten Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam geplant, organisiert, dekoriert und aufgebaut.  und sorgten so dafür, dass sich die Paare ganz auf das konzentrieren konnten, worauf es an diesem Tag ankam: aufeinander.

Die Gemeinden hatten ihre Kirchen und Gemeindehäuser mit viel Liebe zum Detail vorbereitet. Blumen schmückten die Altäre, weiße und roséfarbene Dekorationen verliehen den Räumen eine festliche Atmosphäre. Nach den Segnungen warteten Kaffee und Kuchen, Sekt – auf Wunsch auch alkoholfrei – und liebevoll gedeckte Tische auf die Paare und ihre Gäste. Trotz der vielen Feiern hintereinander wirkte nichts hektisch. Im Gegenteil: Immer wieder entstand der Eindruck, als gehöre die Kirche in diesem Moment nur diesem einen Paar.

Große Hochzeitsgesellschaft auf Zeit

Zwischen den einzelnen Feiern begegneten sich die Paare immer wieder. Während die einen mit einem Glas Sekt anstießen, wurden die nächsten bereits herzlich begrüßt. Fremde Menschen gratulierten einander, kamen ins Gespräch oder applaudierten, wenn ein frisch verheiratetes Paar aus der Kirche trat. Fast unbemerkt entstand so etwas wie eine große Hochzeitsgesellschaft auf Zeit – offen für alle, die an diesem Wochenende ihre Liebe feiern wollten.

Segensbegleiter*innen unterstützten, wo es nötig war

Besonders eindrucksvoll war dies in Dudenhofen zu erleben. Dort hatten sich Kirchengemeinden aus Rodgau und Rödermark gemeinsam mit der Bonhoeffer-Gemeinde Mühlheim auf die Aktion vorbereitet. Ehrenamtliche Segensbegleiter*innen empfingen jedes Paar persönlich und begleiteten es vom ersten Willkommen zum Traugespräch und vom Weg in die Kirche bis zum Sektempfang und dem gemütlichen Ausklang im schattigen Gemeindesaal. Niemand musste überlegen, wohin es als Nächstes ging. Niemand blieb allein. Aus einer Veranstaltung wurde so für viele ein ganz persönliches Fest.

„Ich bin unglaublich stolz auf unser gesamtes Team“, sagt Pfarrerin Christina Koch. „Wochenlang haben Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam geplant, aufgebaut und vorbereitet. Am Ende haben wir genau das erlebt, was wir uns gewünscht hatten: Die Paare sollten sich vom ersten Moment an willkommen fühlen. Besonders schön war zu sehen, wie selbstverständlich unsere Segensbegleiter für die Menschen da waren. Diese Herzlichkeit hat den ganzen Tag geprägt.“

Kühle Kirchen und Keller, Fußbäder und Sprühnebel

Auch die außergewöhnliche Sommerhitze tat der Atmosphäre keinen Abbruch. Kühle Kirchen boten Schutz vor den hohen Temperaturen. In Dietzenbach lud sogar der historische Kühlkeller des Pfarrhauses zum Durchatmen ein, in Dudenhofen sorgten Sprühnebel und Fußbäder für Erfrischung. Gastfreundschaft zeigte sich an diesem Wochenende nicht nur in den Gottesdiensten, sondern ebenso in den vielen kleinen Aufmerksamkeiten am Rande – bis hin zur spontan organisierten Runde Eis.

In Dietzenbach wurde deutlich, wie unterschiedlich die Geschichten der Paare waren – und wie ähnlich ihre Freude am Ende: „Jedes Paar brachte seine ganz eigene Geschichte mit“, sagt Pfarrerin Mareike Clausing. „Manche waren aufgeregt, andere ganz ruhig, einige hatten Freudentränen in den Augen. Am Ende hatten sie alle eines gemeinsam: dieses Strahlen nach dem Segen. Das war unglaublich bewegend mitzuerleben und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.“ 

Pfarrerin Susanne Winkler aus Heusenstamm ergänzt: „Uns war wichtig, die Hürden bewusst niedrig zu halten und trotzdem jeder einzelnen Feier die Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken, die sie verdient. Die große Resonanz hat gezeigt, dass dieses Konzept viele Menschen anspricht. Es ist gelungen, einen würdigen, persönlichen und zugleich unkomplizierten Rahmen zu schaffen.“

Junge Fotokünstlerin schuf Erinnerungen

Auch in Seligenstadt erhielt jede Feier ihre ganz eigene Note. Insgesamt 13 Paare kamen am Samstag in die evangelische Kirche, wo Dekanatskantorin Dorothea Baumann gemeinsam mit einer Harfenistin und einer Sopranistin jede Trauung und Segnung individuell musikalisch gestaltete. Die sorgfältig ausgewählten Musikstücke verliehen jeder Feier einen unverwechselbaren Charakter.

Für bleibende Erinnerungen sorgte hier außerdem Luzie Manthey aus Hainburg. Die fotobegeisterte ehemalige Konfirmandin lichtete auf Wunsch die Paare während ihrer Trauung oder Segnung ab. Die besten Aufnahmen werden ihnen in den kommenden Tagen zugesandt – als persönlicher Gruß von einem Tag, der vielen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Stephanie Rill: Segen gespendet und empfangen

Eine der außergewöhnlichsten Geschichten des Wochenendes war in jedem Fall die von Stephanie und Rainer Rill aus Dietzenbach. Stephanie Rill, Prädikantin der Gemeinde, gestaltete zunächst selbst Segensfeiern und sammelte im Rahmen ihrer derzeitigen Kasualausbildung praktische Erfahrungen. Wenig später wechselte sie die Perspektive. Gemeinsam mit ihrem Mann ließ sie sich in genau jener Kirche segnen, in der beide vor vielen Jahren geheiratet hatten – ein bewegender Moment voller Erinnerungen und Dankbarkeit.

Vielleicht war genau das die größte Überraschung dieses Wochenendes. Die evangelische Kirche hat gezeigt, dass eine unvergessliche Hochzeit oder Segensfeier nicht zwangsläufig einen Wedding Planner, monatelange Vorbereitung oder ein fünfstelliges Budget braucht. Viel wichtiger sind Menschen, die ihre Zeit, ihre Kreativität und ihre Herzlichkeit schenken – und Paare, die den Mut haben, einfach Ja zueinander zu sagen.

„Ich bin allen von Herzen dankbar, die dieses Wochenende möglich gemacht haben“, sagt Dekan Steffen Held. „In unseren Gemeinden haben Haupt- und Ehrenamtliche mit großer Kreativität, viel Zeit und ganzem Herzen vorbereitet, aufgebaut, musiziert, begleitet, fotografiert, dekoriert und für die Paare gesorgt. Das alles geschah oft im Hintergrund – und gerade deshalb verdient es besondere Anerkennung. Mein Dank gilt aber genauso den Paaren, die uns ihr Vertrauen geschenkt und uns an einem der wichtigsten Momente ihres Lebens haben teilhaben lassen. Solche Tage zeigen eindrucksvoll, was Kirche sein kann: ein Ort, an dem Menschen willkommen sind, Gemeinschaft erleben und Gottes Segen ganz persönlich erfahren können.“

Als am Ende des heißen Wochenendes die letzten Blumenvasen abgeräumt, die Stühle zusammengestellt und die Kirchentüren wieder geschlossen wurden, blieb bei vielen Beteiligten vor allem eines zurück: die Freude darüber, dass aus einer bundesweiten Aktion an drei Orten im Dekanat viele ganz persönliche Geschichten geworden waren. Geschichten, die zeigen, dass Liebe zu feiern manchmal tatsächlich ganz einfach sein kann.

Hintergrund

Hinter „Einfach heiraten“ steht die Überzeugung, dass Gottes Segen nicht an lange Vorbereitungen, perfekte Abläufe oder große Feiern gebunden ist. Mit der Trau- und Segensaktion möchte die Evangelische Kirche in Deutschland Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Segnung und kirchlicher Trauung ermöglichen – persönlich, festlich und ohne unnötige Hürden. Angesprochen sind Paare in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen: frisch verliebt oder seit vielen Jahren zusammen, standesamtlich verheiratet oder auf der Suche nach einem besonderen Segen für ihren gemeinsamen Weg. Im Mittelpunkt stehen nicht organisatorischer Aufwand oder Perfektion, sondern die Liebe zweier Menschen und Gottes Zuspruch für ihre gemeinsame Zukunft.

Die Wurzeln der Aktion liegen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Dort wurde „Einfach heiraten“ 2023 erstmals erprobt und entwickelte sich in den folgenden Jahren mit stetig wachsender Resonanz zu einem Erfolgsmodell. Nach zunächst regionalen Kooperationen wurde das Konzept 2026 erstmals von der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinsam mit zwölf Landeskirchen aufgegriffen und bundesweit umgesetzt. Mehr als 350 Kirchen und andere Feierorte beteiligten sich an der Aktion und machten sie damit zu einer der größten gemeinsamen Segens- und Trauinitiativen in der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland.

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