03/06/2026 0 Kommentare
Demokratie stärken im Kirchenvorstand
Demokratie stärken im Kirchenvorstand
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Demokratie stärken im Kirchenvorstand
Demokratie stärken, Haltung zeigen, Gesprächsräume offenhalten: Mit einer neuen Handreichung gibt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ihren Kirchengemeinden, Nachbarschaftsräumen und Dekanaten Orientierung für den Umgang mit demokratiegefährdenden und menschenverachtenden Positionen. Die Publikation „Demokratie stärken! Orientierung für Kirchenvorstände“ richtet sich insbesondere an Kirchenvorstände und andere kirchliche Leitungsgremien. Sie verbindet theologisches Selbstverständnis, praktische Hilfen und konkrete rechtliche Hinweise für den kirchlichen Alltag.
Ausgangspunkt der Handreichung ist die Beobachtung, dass sich gesellschaftliche Debatten zunehmend verhärten und extremistische, antisemitische, rassistische oder autoritäre Positionen auch vor kirchlichen Räumen nicht Halt machen. Gemeinden stünden deshalb vor der Herausforderung, offen für unterschiedliche Meinungen zu bleiben und zugleich klare Grenzen dort zu ziehen, wo Menschenwürde verletzt werde.
Kirchengemeinde: Ort, der Demokratie täglich lebt
Die EKHN betont dabei ausdrücklich ihre theologische Grundlage: Jeder Mensch sei von Gott gewollt und besitze eine unverlierbare Würde. Daraus leite sich der Auftrag ab, Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und demokratiegefährdenden Entwicklungen entgegenzutreten. Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz beschreibt Kirchengemeinden im Geleitwort der Handreichung als Orte, an denen Demokratie täglich gelebt werde – in Gesprächen, Projekten und besonders in den Kirchenvorständen. Gleichzeitig brauche es eine klare Haltung gegenüber menschenverachtenden Positionen.
Kirche der Vielfalt und Vielstimmigkeit
Einen wichtigen Schwerpunkt setzt die Handreichung auf die Verbindung von christlichem Glauben und demokratischer Kultur. Die EKHN verstehe sich als Kirche der Vielfalt und der Vielstimmigkeit. Unterschiedliche Meinungen seien ausdrücklich erwünscht, solange sie die Würde anderer Menschen achteten. Demokratie bedeute dabei nicht Beliebigkeit, sondern ein respektvolles Ringen um gute Lösungen. Leitungsverantwortung in der Kirche sei deshalb an bestimmte Grundhaltungen gebunden: an Menschenfreundlichkeit, Respekt, Offenheit, Verantwortung und die Ablehnung jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Ausführlich erläutert die Handreichung auch die jüngsten Änderungen der Kirchengemeindewahlordnung der EKHN. Seit der Überarbeitung im Frühjahr 2026 gilt ausdrücklich: Wer extremistische, antisemitische, rassistische oder sonst menschenverachtende Positionen vertritt oder entsprechenden Organisationen angehört, kann nicht in einen Kirchenvorstand gewählt werden beziehungsweise verliert ein solches Amt wieder. Diese Regelungen gelten ebenso für die Dekanats- und Kirchensynoden.
Praxis-Tipps für den Umgang mit Rechtsextremisten
Dabei macht die EKHN zugleich deutlich, dass ihre Gemeinden weiterhin offene Orte für alle Menschen bleiben sollen. Gottesdienste, Seelsorge und diakonische Angebote stünden selbstverständlich jedem offen – unabhängig von politischen Ansichten. Gerade Begegnung, Zuhören und Gespräch könnten helfen, Verständnis und Empathie wachsen zu lassen.
Neben theologischen und rechtlichen Grundlagen enthält die Handreichung zahlreiche praktische Hinweise: etwa zur Vorbereitung öffentlicher Veranstaltungen, zum Umgang mit rechtsextremen Angriffsstrategien oder zur Organisation von Demonstrationen für Demokratie und Menschenrechte. Vorgestellt werden außerdem Initiativen wie „VerständigungsOrte“ oder das Projekt „MIT SPRACHE“, die Gemeinden dabei unterstützen sollen, Gesprächsräume zu schaffen und demokratische Teilhabe zu fördern.
Wie können Kirchenvorstände demokratische Werte im Gemeindeleben fördern? Die neue EKHN-Handreichung „Demokratie stärken!“ bietet Orientierung, benennt Leitlinien und zeigt, warum Leitungsämter an klare Werte gebunden sind. Matthias Blöser, Referent für demokratische Teilhabe im Zentrum Bildung und Gesellschaft, ist Mitherausgeber der Publikation und EKHN-Ansprechpartner: „Wenn Kirchengemeinden oder kirchliche Einrichtungen mit menschenverachtenden oder demokratiegefährdenden Positionen konfrontiert sind, unterstützen wir sie dabei, sprach- und handlungsfähiger zu werden - vorsorglich oder aus einem konkreten Anlass heraus“, sagt er. „Interne Beratungsgespräche sind dabei ebenso möglich wie Hilfen für eine öffentliche Positionierung.“
Weitere Informationen sowie die Handreichung zum Download gibt es auf der Website der EKHN.
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