03/08/2026 0 Kommentare
25 Jahre Einsatz als Laienprediger
25 Jahre Einsatz als Laienprediger
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25 Jahre Einsatz als Laienprediger
Vor 25 Jahren haben Yvonne Buckendahl und Carsten Kirchberger ihre Ausbildung als Prädikanten abgeschlossen. Seither haben sie im ehrenamtlichen Verkündigungsdienst unzählige Gottesdienste in der Region gefeiert, Predigten gehalten, Menschen getauft und das Abendmahl ausgeteilt. Das Jubiläum wird am Sonntag, 27. September, um 10 Uhr im Gottesdienst in der Egelsbacher Kirche (Ernst-Ludwig-Straße 56) begangen. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.
Den Kurs hatten die beiden sogenannten „Laienprediger“ damals gemeinsam beim stellvertretenden Dekan Hermann Birschel an der Bergstraße absolviert. „Bevor es losging, wurden erst einmal unsere Motivation und unser Durchhaltevermögen geprüft“, erinnert sich Yvonne Buckendahl. „Die Idee hatte ich schon länger, Luthers Erkenntnis vom ‚Priestertum aller Gläubigen‘ hat mich angesprochen“, schildert sie ihre Motivation. Als der damalige Egelsbacher Pfarrer Martin Diehl im Jahr 2000 Dekan wurde, „war die Zeit reif“, wie sie sagt.
Intensiv mit Glaubensthemen befasst
Ursprünglich katholisch getauft, hatte sie sich bereits als junger Mensch intensiv mit Glaubensthemen beschäftigt und war im Alter von 25 Jahren zur evangelischen Konfession konvertiert. Geboren in Rheinstetten bei Karlsruhe, aufgewachsen in Wolfenbüttel und anschließend noch etliche Male innerhalb von Deutschland umgezogen, verschlug es Yvonne Buckendahl, die als technische Assistentin am Paul-Ehrlich-Institut arbeitet, 1997 mit Mann und Tochter nach Egelsbach. Seither ist sie der Kirchengemeinde eng verbunden, singt im Chor, gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten dem Kirchenvorstand an und ist schon zwölf Jahre im Leitungsteam der Gemeindebücherei aktiv.
Tragfähige Verbindung zu den Menschen
Die 62-Jährige feiert gerne Gottesdienste, am liebsten mit Abendmahl. Durchschnittlich ist sie sechsmal pro Jahr im Einsatz, neben Egelsbach auch in den Dreieicher Stadtteilen Offenthal und Sprendlingen. Dieses Amt begreift sie als reizvoll und herausfordernd: „Wenn ich einen Gottesdienst vorbereite, muss ich mich ganz neu mit den Bibeltexten auseinandersetzen, meine Gedanken verständlich formulieren und in kurze Sätze gießen“, erläutert sie. Dabei nimmt sie „immer den Bibeltext, der am jeweiligen Tag dran ist – egal wie schwierig“, beschreibt sie ihr Arbeitsethos. In der gemeinsamen Liturgie fühlt sie sich mit der Gemeinde verbunden. „Der Gottesdienst schafft eine Verbindung zwischen den Menschen, auch wenn sie sich vorher vielleicht nicht kannten“, so ihre Erfahrung. „Und diese Verbindung ist tragfähig, denn die Menschen kommen immer wieder.“
In der Gemeinde tief verwurzelt
Carsten Kirchberger ist in dieses Amt mehr oder weniger „hineingestolpert“, gibt der 46-Jährige zu, der an der Weibelfeldschule in Dreieichenhain Deutsch, Geschichte und Sport unterrichtet. In Egelsbach getauft und konfirmiert, ist er in der Kirchengemeinde tief verwurzelt. Nach seiner Konfi-Zeit gehörte er über viele Jahre als Teamer unterschiedlichen Gruppen an, hielt Kindergottesdienste und war bei der Organisation der Kinderbibelwoche in den Herbstferien und den Kindertagen in den Sommerferien aktiv.
Verschiedene Gottesdienstformen erarbeitet
Zu Beginn seines Studiums sprach er mit dem damaligen Pfarrer Tilman Pape über andere Möglichkeiten, sich zu engagieren. Dieser hinterlegte daraufhin die Kontaktdaten des damals 19-Jährigen an der richtigen Stelle, „und irgendwann bekam ich eine Einladung vom Amt für missionarische Dienste und Gemeindeaufbau, den Prädikantenkurs zu machen“, entsinnt er sich. „Während der mehrjährigen Ausbildung haben wir verschiedene Gottesdienstformen erarbeitet“, erklärt er. Da sein Betreuer Tilman Pape jedoch mittlerweile als Pfarrer nach Hirschhorn am Neckar gewechselt war, „war das für mich dann etwas aufwendiger, weil ich die Gottesdienste zusammen mit ihm geplant und auch dort gehalten habe“. Die „Feuertaufe“ nach dem Kurs war der Erntedankgottesdienst 2001 in seiner Heimatgemeinde, weiß er noch genau. „Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt“.
Dekanatsweit im Einsatz
In den ersten Jahren, noch während seines Studiums, hielt der Egelsbacher bis zu 40 Gottesdienste pro Jahr. „Ich habe alles übernommen, was mir angeboten wurde und dadurch schnell alle Gemeinden im damaligen Dekanat Dreieich kennengelernt“, denkt er zurück. Daneben war er Mitglied im Egelsbacher Kirchenvorstand und leitete über mehr als zwei Jahrzehnte einen Bibelkreis in Langen. Inzwischen kommt er auf 15 bis 20 Einsätze als Prädikant, neben Egelsbach hauptsächlich in Offenthal, Gravenbruch, der Neu-Isenburger Buchenbusch- und der Sprendlinger Erasmus-Alberus-Gemeinde. Sein Ehrenamt versteht er als „Dienst am Menschen, Dienst am Wort Gottes“. Und er gibt zu, „es macht mir Spaß, vor der Gemeinde zu stehen. Aber es ist mir auch wichtig, beim anschließenden Kirchencafé Menschen aus ganz unterschiedlichen Kontexten kennenzulernen und mit ihnen über den Glauben und das Leben ins Gespräch zu kommen.“
Tradition des Priestertums aller Gläubigen
Dass nicht nur studierte Theologinnen und Theologen die frohe Botschaft des Evangeliums verkündigen können, sondern auch „hierzu befähigte Gemeindeglieder“, hat in der evangelischen Kirche eine lange Tradition – erstmals festgehalten im Jahr 1530 in der „Confessio Augustana“, der ersten verfassten Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche. „Die Verkündigung des Evangeliums gehört zum Kern unseres Auftrags als Christinnen und Christen. Martin Luther hat mit dem Gedanken vom Priestertum aller Gläubigen klargemacht, dass jeder getaufte Mensch berufen ist, vom eigenen Glauben zu erzählen und die frohe Botschaft weiterzugeben“, verdeutlicht der stellvertretende Dekan Ansgar Leber, im Dekanat Dreieich-Rodgau zuständig für die Ehrenamtlichen in der öffentlichen Wortverkündigung. „Für ihren Dienst wenden sie viel Zeit, Sorgfalt und Überzeugung auf, besuchen Fortbildungen, bereiten Gottesdienste und Predigten vor, wählen Lieder aus und stehen am Sonntagmorgen früh auf, um gemeinsam mit den Gemeinden Gottesdienst zu feiern“, so Leber. „Sie bringen dabei ihre eigenen Ansichten, ihre persönliche Glaubensgeschichte und ihren Blick auf das Leben ein. Darin liegt ein großer Schatz für unsere Landeskirche und für unser Dekanat“, fährt er fort und dankt den beiden langjährig Engagierten im Namen von Kirchenleitung, Dekanat und Gemeinden für ihren Einsatz.
Wichtige Rolle im kirchlichen Leben
Auch Rebekka Adler schätzt die wichtige Unterstützung. „Im Gottesdienst wird die lebendige Vielfalt einer Gemeinde sichtbar, wenn sich Menschen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Begabungen einbringen“, stellt die Egelsbacher Pfarrerin fest. „Wenn ehrenamtlich Predigende in ihrer eigenen Sprache zeit- und lebensnah das Evangelium verkündigen, füllen sie keineswegs nur Lücken im Gottesdienstplan, sondern bringen noch einmal ganz andere, wertvolle Perspektiven aus ihrer jeweiligen Lebensrealität auf die Kanzel“, betont sie. „Dabei übernehmen sie eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und werden aufgrund der weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrer bei gleichzeitig größeren Nachbarschaftsräumen in Zukunft eine immer wichtigere Rolle im Gemeindeleben spielen.“
Stichwort: Lektoren- und Prädikantendienst
Über 2800 Männer und Frauen üben in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) aktuell das Lektoren- oder Prädikantenamt aus, 48 davon sind allein in den 27 Kirchengemeinden des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau aktiv. Nach einer gründlichen Ausbildung von jeweils rund einem Jahr meist in regionalen Kursen berechtigen beide Ämter zur „ehrenamtlichen öffentlichen Wortverkündigung“. Das heißt, Lektorinnen und Lektoren dürfen ebenso wie Prädikantinnen und Prädikanten mit der Gemeinde Gottesdienst feiern. Während Lektorinnen und Lektoren sich dabei an Gebet- und Predigtvorlagen halten sollen, erstellen Prädikantinnen und Prädikanten selbstformulierte Texte und Predigten. Zudem sind sie beauftragt zu taufen, das Abendmahl mit der Gemeinde zu feiern und mit entsprechender Zusatzausbildung auch weitere Kasualhandlungen wie Trauungen und Trauerfeiern durchzuführen. Die Ausbildung zum Prädikantendienst baut dabei auf der Ausbildung der Lektorinnen und Lektoren auf. Für beide Ehrenämter zahlt die evangelische Landeskirche eine Aufwandsentschädigung und ersetzt die Fahrtkosten im Rahmen des Dienstes.
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